Mut zum Tun
Dass die Glarnerinnen und Glarner so progressiv
entscheiden würden, hatte niemand erwartet.
Vielleicht waren es die erfreulich vielen jungen
Stimmberechtigten auf dem Ring oder am Rednerpult, vielleicht war es die
Eigendynamik der Landsgemeinde, in Aussagen wie „es muss etwas geschehen“
oder „wenn schon – denn schon“, manche vielleicht ein wenig aus Trotz
„wenn wir müssen– dann sollen die anderen auch“. Vielleicht war es der
Blick in die Vergangenheit von Regierungsrätin Marianne Dürst, welche
aufzeigte, dass vieles in finanziell guten Zeiten getrennt wurde, was
früher, um Kräfte zu sammeln, bereits einmal zusammen war. Vielleicht
waren es die vielen Berichte und Leserbriefe, welche im Vorfeld genügend
Informationen pro und kontra lieferten. Wahrscheinlich war es eine
Mischung aller dieser und anderer Faktoren, welche den Kanton Glarus in
der Schweiz in ein neues, helleres Licht stellt. Der Entscheid war knapp,
der Entscheid ist mutig. Aber besser aktiv werden, als passiv zu warten,
auf dass sich etwas verändern werde.
Das Modell mit drei Gemeinden war jedoch nicht, wie es
in verschiedenen Medien geschrieben wurde, eine Idee, welche erst durch
die Redner auf dem Ring präsentiert wurde, sondern eine Vision der
Projektgruppe, welche die Vorarbeiten für die Vorlage erarbeitet hatte.
Das vorgeschlagene 10er Modell, ursprünglich 3x3 genannt, von der
Projektgruppe Einheitsgemeinden unter Leitung von Martin Landolt
vorgeschlagen, nämlich je 3 Gemeinden in den 3 Regionen wurde als
mehrheitsfähig beurteilt. Dieses wurde dann im Landrat zum vorgeschlagenen
10er-Modell überarbeitet. Man erhoffte sich, dass diese 10
Einheitsgemeinden, sich später zu grösseren Einheiten zusammen finden
würde, bis zu den drei Gemeinden, je eine pro Region Unterland, Mittelland
und Hinterland oder eben Glarus-Nord, Glarus-Mitte und Glarus-Süd. Dies
konnten aus den Unterlagen des Projektteams, des Landrats und der
Berichterstattung der Regierung und den Medien entnommen werden. Einen
direkten Schritt von 25 auf 3, trotz dem Vorteil, dass nicht zwei Fusionen
hintereinander kämen, trauten vorher ganz wenige dem Glarnervolk zu. Es
waren die Redner am Pult, welche die Landsgemeinde zu noch mutigeren
Schritten aufforderten. Dies zeigt einmal mehr den Vorteil der direktesten
Demokratie, der Landsgemeinde auf gegenüber den Abstimmungen an der Urne
auf. An der Urne wäre nur ein ja oder nein zum Antrag
Gemeindestrukturreform möglich gewesen.
Der Mut nun ist vorhanden, nun liegt viel Arbeit vor
uns, welche angepackt werden muss, nicht nur „packen wir es an“ sondern
„wir packen es“.